Sanierung und Modernisierung eines historischen Gebäudes — Schlossplatz 2, Stuttgart — 9.150 m²— 09/2024 — Vermögen und Bau Baden-Württemberg

Prominente Bauaufgabe in Stuttgart

Das 1913 errichtete Kunstgebäude prägt inmitten der historischen Bauten am Schlossplatz das Stuttgarter Stadtbild. blocher partners sanierten im Auftrag von Vermögen und Bau Baden-Württemberg den geschichtsträchtigen Bau und gaben ihn nach zweieinhalb Jahren Bauzeit der Öffentlichkeit zurück.

Das Kunstgebäude in Stuttgart reiht sich mit Neuem und Altem Schloss, Königsbau, Landtag, Oper und Alter Kanzlei in die beeindruckende historische Kulisse am Schlossplatz ein. Es wurde nach Entwürfen des Architekten Theodor Fischer, einem Mitbegründer des Deutschen Werkbunds, errichtet und 1913 eröffnet. Nach der fast vollständigen Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg leiteten Paul Bonatz, Architekt des Stuttgarter Hauptbahnhofs, und Günther Wilhelm den Wiederaufbau von 1956 bis 1961, heute steht das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz. 2018 konnte blocher partners einen zweistufigen, europaweiten Architekuturwettbewerb für sich entscheiden. Im Dialog mit dem Bauherrn und in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege hat das Architektenteam von blocher partners einen multifunktionalen, hochwertig ausgestatteten Kultur-, Veranstaltungs- und Repräsentationsort gestaltet. Die Maßnahmen zielten darauf ab, das geschichtsträchtige Kunstgebäude in die Jetztzeit zu holen, heißt: alle Ebenen barrierefrei und inklusiv zu gestalten, mehr Offenheit und Helligkeit hineinzubringen, eine große Nutzungsvielfalt zu ermöglichen – und selbstverständlich auch den neuen Brandschutzanforderungen zu entsprechen.

Historische Ikone behutsam restauriert und zeitgemäß ergänzt

Die Gebäudehülle sanierten die Architekten konservativ. Den Haupteingang verlegten sie von der Mittelachse an den rechten Rand und akzentuierten ihn dezent mithilfe eines vorgesetzten, verglasten Portals mit einem Rahmen aus brünierter Bronze. „Der Besucher soll schon beim Betreten des Gebäudes die hohe Qualität des Baudenkmals spüren“, erklärt Wolfgang Mairinger, Senior Partner bei blocher partners.

Dialog zwischen Tradition und Moderne

Zuerst gelangen die Besucher in eine Empfangshalle, auf die der sogenannte Marmorsaal folgt.Er erhielt an den zwei Schmalseiten eine dynamische Lamellenwand. Diese Lamellen aus eloxiertem Aluminium sind auf der einen Seite weiß und auf der anderen Seite in einem goldenen Ton gehalten. Während sie an der rechten Wand fest montiert sind, können sie an der linken Wand bewegt werden. Drehen sie sich aus der Achse der Wand heraus, öffnet sich der Saal zum Nachbarraum. Ist die Wand jedoch geschlossen, gewährt sie auch akustische Undurchlässigkeit. Die weiße Oberfläche kann als Leinwand für Projektionen dienen. Durch die komplette Unterkellerung des Marmorsaals wurden zusätzliche Flächen gewonnen, um dort Garderobe und Sanitäranlagen unterzubringen. Ein in den Bestand eingefügtes Treppenhaus mitsamt Aufzugschächten erschließt das Gebäude vom Untergeschoss bis ins erste Obergeschoss. Hinter dem Marmorsaal gelangt man durch einen Zwischenraum in den Kuppelsaal. Hier waren die Architekten mit ihren Eingriffen besonders behutsam, da es sich um das Herzstück des Gebäudes handelt. Sie verbesserten die Akustik im Saal und erweiterten das Nutzungsprofil. Das Restaurant im Erdgeschoss bekam ebenfalls mitsamt Terrasse ein Facelift. In Anlehnung an die ursprüngliche Planung von Theodor Fischer entfernten die Architekten die Decke über dem Gastraum teilweise, sodass eine großzügige Atmosphäre im Restaurant und ein Dialog zwischen Speise- und dem darüberliegenden Ausstellungssaal entsteht.

Das architektonisch markante Gebäude im Herzen von Stuttgart blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, an der blocher partners mit der Sanierung und Neugestaltung nun mitgeschrieben hat. Außen wie innen legten die Architekten Wert darauf, einen anregenden Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen. Sie folgten dem Ideal der zurückhaltenden Designsprache einer traditionsbewussten Moderne im Geiste von Paul Bonatz und ermöglichten auf diese Weise, den Duktus des alten Gebäudes in Farbigkeit und Materialität beizubehalten.