design strategy

Agil, user-zentriert und kokreativ

Am Anfang eines jeden Designs steht dieselbe Frage: Die Frage nach der Ästhetik und dem Nutzen. Doch was heute gefällt und nutzt, kann morgen schon überholt sein. Unsere Welt gewinnt ständig an Komplexität. Handlungsräume erweitern sich ins Virtuelle, während sich unser Lebensraum Stadt verdichtet. Das verändert unser gesellschaftliches Leben und unsere Ansprüche an Design. Schon jetzt bemerken wir, dass sich unsere Welt durch diese Ansprüche in hybride Formen clustert: Wo früher nur gearbeitet wurde, soll nun auch gelebt werden. Wo früher das Shopping-Erlebnis im Fokus stand, soll heute Übernachtung und Restaurant- oder Café-Besuch möglich sein. Um diesen wie zukünftigen Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden, arbeiten unsere Architekten und Innenarchitekten mit unseren Produkt- und Kommunikationsdesignern in transdisziplinären Teams.

Die Entwicklung eines Designs erinnert dabei ein bisschen an Wandern ohne Landkarte. Der Weg zum Ziel ist nicht vorhersehbar. Wir können lediglich Annahmen treffen, die in unserer schnelllebigen Welt jedoch jederzeit erschüttert werden können. Das bedeutet aber nicht, dass wir Leitplanken setzen, ohne den Weg gewählt zu haben. Vielmehr müssen wir uns nach jedem Schritt fragen, ob das noch immer der Weg ist, den alle Projektbeteiligten gehen wollen.

Die Herausforderungen, die unsere schnelllebige Welt mit sich bringt, begreifen wir also nicht nur als Veränderung, sondern als Chance. Als Chance, eine Brücke zu schlagen. Zwischen Menschen wie dem Bauherrn und dem Nutzer. Und zwischen unseren Disziplinen aus Architektur, Innenarchitektur, Produkt- und Kommunikationsdesign. Der Raum, den wir dabei planen, ist ein Ort der Interaktion. Ein Ort, an dem Gestaltung greifbar wird, Emotionen entstehen. Dabei im Mittelpunkt: der Mensch.

Strategie erzeugt Zukunft

Die Innovation, die bei uns am Anfang eines Projekts steht, nennen wir: Design Strategy. Um zu begreifen, welche Wünsche der Nutzer hat und welche er möglicherweise noch entwickeln wird, beziehen wir ihn über die Design Strategy von Anfang an in den Entstehungsprozess ein. Denn: Obgleich unsere Welt beständig an Komplexität gewinnt, Lebenszyklen von Produkten und Dienstleistungen immer kürzer werden, wird baulichen Herausforderungen häufig mit einem immer gleichen Planungsverlauf begegnet. Unbestritten: Jedes Bauvorhaben muss bestimmten Kriterien folgen. Doch der Fokus darf sich dabei nicht allein auf Durchführung und Ästhetik richten, sondern auch auf jene Belange, mit denen sich das Projekt später im Alltag auseinandersetzen muss.

Die Komplexität ergibt sich aus den unterschiedlichen Ansprüchen der Nutzer. Um diesen gerecht werden zu können, muss das flexible, unvoreingenommene Moment des Projektanfangs genutzt werden. Design Strategy findet also zu einem Zeitpunkt statt, da es noch keine Planung gibt und lässt sich dadurch auf sämtliche, auch architekturfremde Bereiche anwenden. Den klassischen Leistungsphasen der Architektur schalten wir mit unserer Design Strategy einen Schritt vor und setzen auf „Leistungsphase 0“. Dort, wo wir gemeinsam mit Bauherren und Nutzern das „Warum“ hinter gestalterischen Prämissen definieren und eine Recherche und Analyse der Customer Experience betreiben.

Das Ziel: User-zentriert und kokreativ die Erwartungshaltungen zu hinterfragen und schließlich zu harmonisieren.
Daraufhin werden Fragestellungen in Lösungsansätze verwandelt. Kurz: eine individuelle Strategie für den Projektverlauf entwickelt. Konkret: Aus einem „Irgendwas“ und „Irgendwie“ wird ein klares „Was“ und „Wie“. Über verschiedene Kanäle hinweg leistet Design Strategy dabei einen positiven Beitrag zur Stärkung der Unternehmensidentität und -kultur.

Dadurch ergibt sich zum einen die Chance, eine Strategie zu kreieren, die sich an den Bedürfnissen der Kunden und User orientiert. Zum anderen kann so im weiteren Prozess eine identitätsstiftende Designsprache und ein ganzheitliches Gestaltungsprinzip entstehen. Durch die Zusammenarbeit und den kokreativen Ansatz entwickelt sich langfristig ein Innovationsprozess für das Unternehmen und alle Projektbeteiligten. Für den Kunden, aber auch für uns Designer selbst. Denn: Kokreation bedeutet immer auch Spiegelung.

Die Macht der kollektiven Kreativität

Im Idealfall ist es sogar so, dass nicht nur der Bauherr, sondern der Nutzer Einfluss hat auf den Entwicklungsprozess. Deshalb versuchen wir, ihn zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in den Entstehungsprozess des Projekts einzubinden. Dabei geben wir ihm adäquate Mittel an die Hand, die ihn dabei unterstützen, seine Bedürfnisse und Vorstellungen zum Ausdruck zu bringen.

Lego Serious Play

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass unsere Hände mit bis zu 80 Prozent unserer Gehirnzellen verbunden sind. Denkprozesse, die durch das Spiel mit Legosteinen entstehen, führen somit zu einem tieferen und länger anhaltenden Eintauchen in die Fragestellung. Durch das Bauen metaphorischer Modelle wird diese „begreifbar“, Einsicht, Inspiration und Vorstellungskraft gefördert. Innerhalb kürzester Zeit entstehen so verschiedenste Lösungsansätze. Das Workshopdesign ist auf sämtliche Arten der Geschäfts- und Gestaltungswelt anwendbar.

Permanent Beta & Scrum for Architecture

Endgültige Ziele, konkrete Ergebnisse, das Ende eines kreativen Prozesses – all das sind Relikte längst vergangener Tage. Anfang und Ende einer Projektentwicklung werden durch ständige Iterationen und Verifizierungen im permanenten Dialog mit Kunden und Nutzern in kurze Zyklen aufgebrochen. Jeder einzelne Zyklus bietet dabei die Möglichkeit, das bereits geleistete zu hinterfragen, das Fernziel gegebenenfalls anzupassen und neu auszurichten. Ergebnisse werden zu einer Abfolge nie endender Zwischenstände, die sich konstant verifizieren und anpassen und in einem Permanent-Beta-Status befinden.

Die Bedeutung dieses Ansatzes wird umso deutlicher als vor dem Hintergrund von Covid-19 ein neues Normal entstanden ist. Beschreibt das VUCA-Modell (Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity) die verändernden Bedingungen unserer modernen Gesellschaft, kommt nun vor allem dem U eine besondere Bedeutung zu: Unsicherheit als Konstante.

Es gilt, den ständigen Wandel als Chance begreifen, permanent zu testen, hinterfragen und das Erlebbare neu zu definieren. Selbstreflexion und kritisches Beleuchten gilt dabei für alle Beteiligten, die auch bereit sein, müssen, sich auf fachfremde Tools einzulassen, die dabei helfen, ein agiles Projektmanagement zu etablieren. Eines davon nennt sich Scrum und ist fester Bestandteil unseres Prozesses.

Design Strategy ist nicht nur eine Vorgehensweise, die ein Projekt zielgerichtet beginnen und enden lässt. Sie birgt Vorteile für alle und direktes (Nutzer)Feedback. Permanent agile Reaktionsmöglichkeiten auf die sich ständig verändernden Einflüsse. Eine Strategie, die Orientierung bietet bei Fragen, die zu erwarten sind und solchen, die überraschen. Oder, um das Beispiel vom Anfang noch einmal aufzugreifen: Design Strategy ist keine Landkarte, die einen vorgezeichneten Weg vorgibt, einen konkreten Weg zum Ziel. Sie ist mehr eine Art innerer Kompass, der die Richtung kennt und den Weg weist.