Privatresidenz Ahmedabad

Neubau eine Privatresidenz Ahmedabad, Indien 1.800 m² 10.2015

In Harmonie mit dem Universum

Im Stadtteil South Bopal am westlichen Rande der indischen Millionenstadt Ahmedabad, dem vitalen Zentrum des sich rasant entwickelnden Bundesstaates Gujarat, bauten die Architekten für eine Unternehmerfamilie ein außergewöhnlich atmosphärisches Zuhause. Lage, Grundriss und Nutzung der einzelnen Räume der Villa mit einer Wohnfläche von 1.800 Quadratmetern leiten sich aus den indischen Lehren ab. Zwei Baukörper unterschiedlicher Höhen mit einem Kubus als Kernstück ordnen sich L-förmig auf dem Gelände an. Sie bilden die geradlinige Silhouette des modernen Sichtbeton- und Natursteinbaus, der durch seine spannungsvolle Höhenstaffelung aus jeder Perspektive immer wieder neu erstrahlt. Die unbearbeitete, leicht schroffe Betonfassade wirkt dank großer Fensterflächen luftig und einladend. Gezielt eingesetzte Holzelemente verleihen dem minimalistischen Äußeren der Residenz freundliche Wärme. Zudem nehmen rechteckige Aussparungen in der Fassade und seitliche Fensterbänder dem Gebäude die Schwere. Natürlichkeit strahlt auch der handgeschlagene, goldfarbene Sandstein aus Rajasthan aus, der den vorderen Teil des Hauses umgibt. Die raue Natursteinfassade fügt sich aus Blöcken unterschiedlicher Breiten zusammen und begleitet den Besucher vom Eingang ins Innere des Hauses, entfaltet sich hier um den Funktionsblock der Küche und führt im Essbereich wieder nach draußen auf die Veranda.

Transparenz und Noblesse

Eine fließende Einheit aus Innen und Außen ergibt sich auch aus der Fortsetzung der Strukturen, Farben und Materialien in den Innenräumen. Hier trifft maximaler Wohnkomfort auf höchste Eleganz. Das Spiel aus Sichtbeton, Teakholz, italienischem Marmor, viel Licht, Transparenz und Geometrie gibt den Räumen moderne Klarheit, wohnliche Wärme und ein behagliches Flair. Sanftes Plätschern begrüßt den Besucher, wenn er sich der Eingangstür nähert. Aber erst beim Betreten der Treppe erscheint ein Brunnen im Blickfeld, der sich zunächst hinter einer freigestellten Betonwand versteckt. Die Haustür öffnet sich einladend auf ganzer Breite des Eingangsbereichs und führt durch einen kurzen Flur in die helle, sechs Meter hohe, doppelgeschossige Lobby - eine imposanten Willkommensgeste. Hier hat der Besucher Ausblick auf die Weite der Gartenlandschaft deren Begrenzungen nicht sichtbar sind. Von der Lobby gelangt man über den angeschlossenen Korridor, den eine langgezogene Wasserfläche begleitet, in die privaten Bereiche. Ein direkter Zugang führt in die repräsentativen Teile der 28-Zimmer-Villa. Im Erdgeschoss befinden sich neben Lobby, Essbereich, Gästeappartement und geräumigen Wohnbereichen ein exklusives Homecinema und das private Büro des Hausherren. Im ersten Stock sind die Zimmer der beiden Töchter mit eigenen Ankleiden und Badezimmern sowie ein exquisiter Spa-Bereich mit angeschlossenem Fitnessraum und Yoga-Außenbereich untergebracht. Ganz nach Süden, geborgen unter einem gewaltigen Rahmen aus Beton liegt der Master Bedroom mit bezauberndem Blick über das schimmernde Wasserbecken und die Baumwipfel des Parks.

Von innen heraus

Eingerichtet sind die Räume im zurückhaltenden, minimalistischen Stil. Das von den Architekten entwickelte Einrichtungskonzept kombiniert dabei moderne italienische mit traditionell indischen Möbeln – einzig die hochwertige Küche ist ein deutsches Produkt. Teile der Möblierung wurden vom Team der Innenarchitekten selbst entworfen und von ansässigen, indischen Handwerkern produziert. Feine Details in Form von ausgesuchten Designobjekten, ausdrucksstarken, edlen Antiquitäten und extravaganter Kunst setzen stilvolle Akzente in der Residenz. Neben der Architektur und Innenarchitektur sind blocher partners für die Auswahl der Kunstwerke verantwortlich. Bei den Bildern und Reliefs handelt es sich um Werke junger zeitgenössischer indischer Künstler aus dem persönlichen Umfeld der Architekten. An den klaren Sichtbetonwänden kommen die außergewöhnlichen Arbeiten besonders gut zur Geltung. Sie verleihen den Räumen lebendige Wohnlichkeit. Verbindende künstlerische Elemente sind die kontemporären Ausdrucksformen und aktuellen Themen, die zugleich in der indischen Kultur und Tradition verortet sind. Zum gemütlichen Ambiente trägt außerdem das Lichtkonzept bei wenn etwa Uplights die Oberflächen des handgeschlagenen Sandsteins betonen, dessen Goldton sich im kühlen Marmorboden bricht. Von außen entsteht der Eindruck eines nicht nur atmosphärisch leuchtenden Hauses sondern eines offenen Wohnkörpers, der von innen heraus glänzt.

Liaison zwischen Innen und Außen

Eingefasst von einer idyllischen Grünanlage mit kleinem See schafft das Anwesen, was zunächst paradox erscheint: Es öffnet sich zum Garten und verschließt sich zugleich vor der sengenden Sonne Indiens. Das hier herrschende Wüstenklima treibt das Thermometer in den heißen Sommermonaten auf Temperaturen von über 40° Grad Celsius. Wesentlich für das Haus ist es deshalb - trotz der engen Verbindung zwischen drinnen und draußen - den Einsatz energiefressender Klimaanlagen zu minimieren. Als eines der ersten Gebäude in Ahmedabad umgibt die Villa eine mehrschalige Fassade, die die Wandflächen und Räume durch die hohe Isolationswirkung auch bei starker Sonneneinstrahlung angenehm temperiert. Im Innern kommen zudem zwei innovative Stage Cooler zum Einsatz, die in Lobby und Flurbereichen in den trockenen, heißen Phasen ebenfalls für Energieeinsparungen sorgen. Nach Osten orientiert sich eine fast 20 Meter lange Front aus Sichtbeton, in die Teakholzbänder eingelassen sind, durch die die Villa atmet. Auf der Westseite entlang der privaten Räume umgeben das Erd- und Obergeschoss durchgängige Veranden, die hinter einem Lamellenvorhang aus Teakholz vor der direkten Sonne geschützt sind. Die großzügigen, mit öffenbaren Schiebetüren aus Glas versehenen Patios und Terrassen schaffen den eleganten Übergang zwischen Innen mit Außen und strahlen dabei Transparenz und Offenheit aus. Die je nach Bedürfnis verschiebbaren Jalousien aus Holzlamellen verleihen dem Haus nicht nur Rhythmus und Struktur sondern zaubern zugleich ein fantastisches Schattenspiel an Wänden und Böden. Teil der ausgefeilten Klimatechnik ist zudem ein Wasserbecken, das das gesamte Haus umläuft und eine spürbar kühlende Wirkung hat.

Das Leben von morgen

Die klaren, achtsamen Richtlinien Vaastu Shastras, das auch als „die Wissenschaft vom Wohnen“ übersetzt wird, sorgen dafür, dass sich die Bewohner trotz der beträchtlichen Größe des Hauses nicht verloren fühlen. Das exklusive, herrschaftliche Zuhause strahlt Balance, Natürlichkeit, positive Kraft und Geborgenheit aus und ist ein Beispiel für anspruchsvollen, indischen Lifestyle. Dass dabei altes Wissen und neue Erkenntnisse nicht in Widerspruch zueinander treten müssen macht die außerordentliche räumliche Qualität der Villa deutlich. Auf moderne Weise interpretiert liefern die Jahrtausende alten Lehren hier eine solide Basis für das sinnliche, ästhetische und nachhaltige Bauen, Einrichten und Leben von morgen.