Sporthaus Schuster München

  • Neu- und Umbau eines Sportstores
  • Rosenstraße 3-5, 80331 München, Deutschland
  • 5.000 m²
  • 2006
  • Schuster GmbH

Aus drei mach eins

Bereits im Antritt an der Straße wird die Innovation durch die imposante Fassade spürbar: Der Schuster-Neubau von 2007 mit 5.000 Quadratmetern Nutzfläche ist zukunftsweisend, gleichzeitig wird die Authentizität des Unternehmens als Institution des Münchner Einzelhandels und seine außergewöhnliche Kompetenz kommuniziert. Die sieben Verkaufsgeschosse sind konsequent als Erlebniswelten aufgebaut.

Vorausgegangen war ein siebenmonatiger Abbruch, denn die Verkaufsfläche des Traditionshauses war im Laufe der vorangegangenen Jahrzehnte über mehrere Häuser auf rund 4.000 Quadratmeter gewachsen. Die Konsequenz: verschachtelte Strukturen, unterschiedliche Höhenniveaus auf den Etagen, unzählige Treppenhäuser und uneffiziente Nebenflächen.

Die Grundstruktur bildet Stahlbeton, zum Teil mit Halbfertigteil-Elementen. Dazu kommt eine Glasfassade, die entlang der Brandwand zur Rosenstraße 6 konkav verläuft. Dennoch wahrt der Neubau auch die Eigenständigkeit der einzelnen Häuser. Durch die konsequente Stellung der Stützen, markant betont mit durchgefärbtem Faserbeton sind die einzelnen Parzellen ablesbar. Gleichzeitig verbindet ein horizontales Element in Höhe der Geschossdecken als gebäude-übergreifende Geste den Komplex. Gefertigt aus brüniertem Messing ist dieses brillen-ähnliche Element eine moderne Interpretation der in der Münchner Altstadt häufig verwandten Bronze, prägnant und identitätsstiftend, das sichert die Wiedererkennbarkeit des Sporthauses.

Die Einpassung in das Stadtbild fördert das zurückgesetzte fünfte Obergeschoss mit leichtem Flugdach. Das Sattel- und Mansarddach ist mit Kupfer bedeckt. Die First- und Traufhöhe wird nicht überschritten. Unter dem Dach ist die Haustechnik untergebracht. Der neue Haupteingang, Rosenstraße 5, wird akzentuiert durch ein geschlossenes Feld im ersten Obergeschoss aus brüniertem Messing.

Tektonische Schichten

Das Layout der Innenräume ist schlicht, das Raumerlebnis authentisch: Sichtbeton, geschliffener Estrich als Bodenbelag. Den Mittelpunkt des zentralen Luftraums bilden eine über 25 Meter Höhe abgehängte Kundentreppe aus Stahl, die wie schwebend wirkt, sowie ein 22 Meter breiter und 25 Meter hoher, abstrakt gestalteter Kletterfels. Aufgebaut in tektonischen Schichten, umfasst der Berg das, was das Flair Münchens ausmacht: die Stadt, die Seen, das Gebirge.

Das geht von Wellen über Asphalt, Gras und Wildgras zu Holz, Geröll und Fels – analog zu den Welten Wassersport und Fitness bis zu Kletter- und hochalpinen Sportarten. Sichtbezüge zwischen innen und außen unterstützen die Atmosphäre, der Blick fällt mal auf den Alten Peter, an anderer Stelle auf die Alpen.

Das jeweilige Material aus der tektonischen Schicht haben die Innenarchitekten in der Gestaltung der Etagen wieder aufgegriffen, sodass jede Warenwelt ihre eigene Identität erhält, aber gleichzeitig eine Einheit als Dachmarke Schuster entsteht. Entlang des Innenhofes fahren drei Aufzüge in Rot durch eine gläserne Hülle und erinnern an Gondeln in den Bergen. Dazu kommen mediale Bespielungen in den Aufzügen entlang des Innenhofes mit den Themen der Welten. Auch die Kabinenblöcke fügen sich in diese Welten, mal sind sie aus Rundhölzern im Blockhütten-Charakter, mal aus Structuranglas, das wie Gletschereis aussieht. Eine Zirbelholzstube im Literaturbereich im vierten Obergeschoss lädt zum Blättern in den Büchern und zum Verweilen ein. Eine interaktive Fläche im Bodenbelag verwandelt sich beim Betreten und „gibt" dem Kunden beispielsweise das Gefühl, tatsächlich im Wasser zu sein.