Schloss Mannheim

  • Revitalisierung des Mannheimer Schlosses inklusive Museen und Universitätsräume
  • Schloss Mannheim, 68161 Mannheim, Deutschland
  • 17.300 m²
  • 2016
  • Land Baden-Württemberg vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg

Ehrwürdige Mauern

2001 haben die Architekten mit der Renovierung und Revitalisierung des Schlosses inklusive der Universitätsbereiche begonnen. In mehreren Bauabschnitten wurde seitdem dem Barockbau behutsam wieder zu altem Glanz verholfen – mit neuen Akzenten.

Die Neukonzeption und Erweiterung des Museums sowie die Zusammenführung der Fachbereichsbibliotheken der Universität Mannheim stellten hohe Anforderungen an die Architekten von blocher partners. Zum einen ging es um schonenden Umgang mit der barocken Baukunst, um die Authentizität zu wahren. Andererseits sollten mit der Revitalisierung und teilweisen Neukonzeption zeitgemäße und wirtschaftliche Strukturen für die künftigen Nutzungen geschaffen werden. Darüber hinaus sollte die Stellung des Schlosses als historischer Mittelpunkt der Stadt gestärkt werden. Ausgehend von einem aufgeklärten Verständnis von Tradition haben die Architekten ein Konzept für das Corps des Logis entwickelt, das Historie, Gegenwart und Zukunft miteinander verzahnt. Das wiederhergestellte Mansarddach gibt dem Mittelbau seine barocken Proportionen wieder. So konnten die bislang über die Universität verstreuten Bibliotheksräume zentral zusammengeführt werden. Gleichzeitig wurden durch deren Umzug Räume im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss frei, sodass in der Neukonzeption aus dem bestehenden Museumstorso eine zusammenhängende Ausstellung wachsen konnte, die sich thematisch in ein Raumkunst- sowie ein Objektmuseum gliedert. Die Bibliothek sowie ergänzende Räumlichkeiten (u.a. für Seminare und Verwaltung) erstrecken sich nach Revitalisierung und Neukonzeption im Mittelbau bis in die beiden Seitentürme hinein. Um die mit der Neukonzeption erreichten Raumhöhe von rund zehn Metern unter den Mansarddächern beiderseits des Mittelturms maximal nutzen zu können, haben die Architekten über dem zweiten Obergeschoss zwei weitere Ebenen – davon eine als Galerie – eingefügt. Dafür wurden 17 Meter lange Unterzüge eingezogen, die die Lasten der Bibliothek über die Außenmauer ableiten. Den Mittelturm haben die Architekten nahezu entkernen lassen: Die nach dem Zweiten Weltkrieg provisorisch eingebauten Decken sind für die geplante Nutzung nicht geeignet gewesen. Die beiden neuen Geschossdecken des Mittelturms werden in deutlicher Distanz zum Gemäuer als freie Ebenen von der ebenfalls neu integrierten Dachkonstruktion abgehängt. So wird bewusst Abstand zwischen Historie und Neuzeit gehalten und die zeitgemäße Interpretation der Räume betont.

Die Pracht des 18. Jahrhunderts

In der Belle Etage (1. Obergeschoss) wurden der Rittersaal, der angrenzende Rote Saal und der Trabantensaal von einer Enfilade mit jeweils drei Räumen ergänzt. Durch die teilweise Entkernung wurden die Raumproportionen im Rahmen der Revitalisierung in ihre Ursprungsform zurückgesetzt, die Raumabfolge des Barocks wurde rekonstruiert.

In diesen Räumen, die jetzt nahtlos ohne Flure ineinander übergehen, entstand das Raumkunstmuseum. Hier hielt die Pracht des 18. Jahrhunderts wieder Einzug. Die Gegenstände, die nicht an ihrem ursprünglichen Ort gezeigt werden können, erhielten einen neuen Platz im Objektmuseum (Erdgeschoss), welches das Raumkunstmuseum ergänzt. Eingebunden wird der einzig erhaltene Raum, die Kabinettsbibliothek der Kurfürstin Elisabeth Auguste: Vom Objektmuseum aus ist ein Einblick möglich. Denn zugänglich ist der Raum nur während Sonderführungen. Ins Museum gelangen die Besucher über einen Zugang im östlichen Seitenflügel, wo sie ein großzügiger Eingangsbereich mit Museumsshop und Cafeteria erwartet. Im eingeschobenen, verglasten Zwischenraum sind multifunktionale Räume entstanden. Um den reibungslosen Museumsbetrieb auch zu gewährleisten, wenn Veranstaltungen im Rittersaal oder Gartensaal stattfinden, schufen die Architekten unterirdisch einen Bypass, der es erlaubt, Haupttreppenhaus, Rittersaal und Gartensaal zu umgehen. Dabei bilden die tief gründenden Fundamente des Mittelbaus die Außenwände des Bypasses.

Für eine moderne Wissensgesellschaft

Durch die Sanierung und Neugestaltung des östlichen Teils der Schlossanlage, namentlich der Ostflügel mit seinem Haupteingang sowie Teilen des Nordflügels, ist 2011 ein weiterer Abschnitt um den so genannten Schneckenhof fertig gestellt worden.

Seit 2009 wurde an der grundlegenden baulichen und technischen Sanierung des gesamten Bautraktes mit barrierefreien Zugängen und umfangreichen Brandschutzmaßnahmen geplant, darunter ein Foyer, ein 400 Sitzplätze fassender Hörsaal sowie Schulungsräume und 50 Arbeitsplätze für die Verwaltung. Herzstück der jüngsten Sanierung ist der größte Hörsaal im Schloss mit einer zeitgemäßen Medienausstattung und funktionalem Raumkomfort. Mit einer Lichtbänderung an Wänden und Decke wurden die Raumproportionen harmonisiert. Helles Licht, warmtoniger Holzfußboden und die geschichteten Wandpaneele verleihen dem klar gegliederten Raum eine Atmosphäre, die konzentrierter Arbeit angemessen ist. Parallel wurde eine Reihe von weiteren Hörsälen modernisiert. Mit der Erneuerung der technischen Ausrüstung war die Schaffung klarer Raumbilder und Oberflächen-Haptiken verbunden, die in zum Teil enger Abstimmung mit den Geldgebern erfolgt ist, um einen individuellen Duktus zu erreichen. Das Foyer zum Schneckenhofflügel ist in den 1950er-Jahren neu entstanden. Hier war eine diskrete Erneuerung gefragt, die einerseits der charakteristischen Architektursprache der Zeit in ihrem Eigenleben Rechnung trägt und zugleich den aktuellen Anforderungen des Universitätsbetriebes gerecht wird. Durch die Umbauten der vergangenen Jahre ist die weitläufige Schlossanlage wieder näher an die Stadt gerückt. Ausgestattet mit zeitgemäßer Funktionalität, kann die Universität dank der exponierten Lage der ehemaligen Residenz in der Stadtlandschaft ihren Wert für die moderne Wissensgesellschaft sinnfällig unterstreichen.