transdisziplinär—

… heißt nicht, dass mehrere Disziplinen zusammen an einem Tisch sitzen und einer nach dem anderen seine Disziplin vertritt.
Es heißt, dass alle zusammenspielen, sodass sich eine Disziplin ergibt, die eben nicht mit am Tisch sitzt. Eine neue Disziplin.
Sie ist weder eine der beteiligten noch keine von ihnen. Sie bildet sich im Moment der Zusammenarbeit aus jeder speziellen Konstellation heraus.

Praktisch gesagt läuft das so ab:
Wenn mehrere Disziplinen sich auf ihren Fachbereich beschränken, ist jedes zweite Wort »Aber…« (trennend)
Wenn jedoch alle zusammen als eine neue Disziplin am Tisch werken, sollte man hören: »Und …« (verbindend)

Noch praktischer:
Transdisziplinär beginnt im Prozess aller beteiligten Disziplinen.

Grundregel:
Je mehr schon fertig ist, wenn die Disziplinen zusammenfinden, desto weniger transdisziplinär arbeiten sie. Dann wirft jede der später an den Tisch kommenden Disziplinen sinnbildlich ihren Wollknäuel auf einen fertigen Kaktus.

Und wenn es schon ein Ergebnis gibt,
dann sollte es sich durch Transdisziplinarität zumindest grundlegend verändern.

Das Ideal:
Alle zusammen müssen einen neuen Ort finden, in dem sie argumentieren und denken. In diesem Ort sollten alle gleich unsicher und sicher, gut und schlecht sein.
Die »Erkenntnisse« dieses Ortes nimmt man dann nachher zurück in den Tätigkeitsbereich seiner jeweiligen Disziplin.
Dann wird wieder disziplinär gearbeitet, man trifft sich erneut transdisziplinär und schaut abermals gemeinsam aus diesem »interdisziplinären Ort« in den Fachbereich und so weiter.

Der Benefit:
Jede Disziplin, jeder Experte bekommt ein wenig Licht in seine Blackbox, in der er vor lauter Expertise nicht mehr sieht, dass ihm seine Theorien wichtiger sind als »der Patient«.